Uniper will vom Boom bei Rechenzentren profitieren und dafür stillgelegte Kraftwerksstandorte stärker monetarisieren. Der Konzern hat nach eigenen Angaben bereits mehr als zehn Standorte identifiziert, die sich für die Ansiedlung von Hyperscalern eignen. Zusätzliche Erlöse erwartet Uniper nicht nur aus dem Verkauf oder der Verpachtung der Flächen, sondern auch aus der Stromversorgung der Datenzentren.
Die Pläne fallen in eine Phase, in der Uniper vor der Teilprivatisierung steht und sein Geschäftsmodell erweitert. Damit verfolgt der Energiekonzern einen Kurs, der die Erlöspotenziale bestehender Standorte stärker in den Mittelpunkt rückt. Was das für den Strommarkt bedeutet, zeigt sich vor allem daran, dass Rechenzentren nicht nur Fläche benötigen, sondern auch langfristige und verlässliche Energieversorgung.
Uniper will Rechenzentren an Kraftwerksstandorten ansiedeln
Uniper setzt auf die steigende Nachfrage nach Standorten für Rechenzentren. Angestrebt werden der Verkauf oder die Verpachtung geeigneter Flächen sowie Co-Investments. Darüber hinaus rechnet das Unternehmen mit zusätzlichen Einnahmen, wenn die Rechenzentren über langfristige Stromlieferverträge, also PPA, oder direkt mit Strom aus eigener Erzeugung versorgt werden.
„Angestrebt werde der Verkauf oder die Verpachtung der Standorte sowie Co-Investments.“
Handelsblatt
Nach den vorliegenden Angaben sind drei Projekte bereits in fortgeschrittener Entwicklung. In Großbritannien wurde ein erstes Projekt bereits abgeschlossen. Weitere Investitionsentscheidungen werden im weiteren Jahresverlauf erwartet, was den Ausbau dieses Geschäftsfelds zusätzlich vorantreibt.
Strategie-Update: 5 Mrd. € bis 2030 bleiben bestehen
Die Erweiterung des Geschäftsmodells wurde vom Vorstand im Rahmen eines Strategie-Updates beschlossen. Das Investitionsbudget von 5 Mrd. € bis 2030 bleibt bestehen, wird aber innerhalb der Bereiche neu verteilt. Uniper begründet diesen Schritt mit „strukturellen Marktchancen“ und will erhebliche Mittel für die flexible Stromerzeugung allokieren.
„Aufgrund ’struktureller Marktchancen‘ habe der Vorstand beschlossen, erhebliche Mittel für die flexible Stromerzeugung zu allokieren.“
Börsen-Zeitung
Mehr als die Hälfte des Budgets soll in dieses Segment fließen, zu dem Gas- und Kohlekraftwerke gehören. Auf den Ausbau der erneuerbaren Erzeugung entfällt nur noch ein Drittel des Budgets. Damit setzt Uniper einen klaren Schwerpunkt auf Anlagen, die im Energiesystem flexibel eingesetzt werden können.
Fokus auf Deutschland und Reservekraftwerke
Der Fokus liegt auf Deutschland. Für September und Dezember sind die ersten Ausschreibungen für Reservekapazitäten avisiert. Uniper will sich dabei mit zwei wasserstofffähigen Kraftwerken beteiligen, die an den Standorten Gelsenkirchen-Scholven und Staudinger geplant sind.
Die Gesamtkapazität dieser beiden Kraftwerke liegt bei 1,7 GW. Damit verbindet Uniper den Ausbau seines Geschäfts mit Rechenzentren mit einer breiter angelegten Neuausrichtung bei der Stromerzeugung. Die Kombination aus Standortentwicklung, Stromlieferung und Reservekapazitäten eröffnet dem Konzern zusätzliche Erlösmöglichkeiten.
Fazit
Uniper treibt die Nutzung seiner Kraftwerksstandorte mit Nachdruck voran und setzt dabei auf die wachsende Nachfrage nach Rechenzentren. Mehr als zehn identifizierte Standorte, drei fortgeschrittene Projekte und ein bereits abgeschlossenes Vorhaben in Großbritannien zeigen, dass der Kurs bereits konkrete Formen annimmt. Zugleich bleibt das Investitionsbudget von 5 Mrd. € bis 2030 bestehen, während die Mittel stärker in flexible Stromerzeugung und damit in ein Geschäftsfeld mit zusätzlichen Erlöschancen gelenkt werden.