Stromeinkauf für Unternehmen:
Die fünf gängigsten Beschaffungsmodelle im Vergleich
Stromeinkauf für Unternehmen: Das Wichtigste in Kürze
Maßgeschneiderte Strombeschaffungs-strategien für Unternehmen
Für viele Unternehmen machen die Energiekosten einen erheblichen Teil der laufenden Betriebsausgaben aus. Wer hier auf den erstbesten Vertrag vertraut, verschenkt bares Geld oder setzt sich unkalkulierbaren Risiken aus.
Der moderne Energiemarkt bietet weit mehr als nur den klassischen Festpreis. Je nachdem, wie flexibel Ihr Betrieb Strom verbraucht und wie hoch Ihr Sicherheitsbedürfnis ist, können Sie aus fünf verschiedenen Beschaffungsmodellen wählen. Wir stellen Ihnen die Optionen vor, damit Sie den Stromeinkauf nachhaltig optimieren können.

Die fünf gängigsten Modelle der Strombeschaffung im Detail
Festpreis und Terminmarkt
Bei diesem Modell wird der Energiepreis für die gesamte Vertragslaufzeit fest vereinbart. Ihr Unternehmen deckt den vollen Bedarf an einem einzigen Stichtag ein.
Typische Kunden
Unternehmen mit sehr hoher Planungsnotwendigkeit.
Vorteile
Nachteile
Praxisbeispiel: Landwirtschaftlicher Großbetrieb
Ausgangssituation
Der Betrieb muss die Verträge mit dem Lebensmitteleinzelhandel oft Monate im Voraus zu Festpreisen abschließen. Die Fixkosten für die Kühlung der Lagerhallen und die Belüftung der Ställe müssen daher absolut kalkulierbar sein.
In der Praxis
Der Landwirt erlebt keine Preisschwankungen, egal wie sich die Börse entwickelt. Er sichert seine Gewinnmargen ab, kann jedoch bei drastisch sinkenden Marktpreisen keine zusätzlichen Ersparnisse erzielen.
Börsenpreis am Spotmarkt
Hier wird der Strom kurzfristig direkt an der Strombörse EPEX SPOT eingekauft. Die Abrechnung erfolgt entweder täglich über den Day-Ahead-Markt oder stündlich über den Intraday-Markt, wodurch die Einkaufspreise eins zu eins die aktuelle Marktsituation widerspiegeln.
Typische Kunden
Unternehmen mit Lastmanagement oder hohem PV-Eigenverbrauch, die Volatilität finanziell und technisch abfedern können.
Vorteile
Nachteile
Praxisbeispiel: Logistikzentrum mit Kühlhaus
Ausgangssituation
Das Unternehmen verfügt über ein smartes Energiemanagementsystem und extrem gut gedämmte Kühlzellen, die die Temperatur auch ohne Strom für einige Stunden halten können.
In der Praxis
Das Kühlhaus kauft Strom direkt zum Spotmarktpreis. Wenn die Preise mittags gegen null fallen, regelt das System die Kühlung auf Anschlag hoch. Zu den teuren Peak-Zeiten von 18 bis 20 Uhr wird die Kühlung temporär abgeschaltet, um Kosten zu sparen.
Das Portfoliomodell
Das Portfoliomodell kombiniert Termin- und Spotmarktprodukte. Der erwartete Verbrauch wird in verschiedene Tranchen aufgeteilt (zum Beispiel 30 % Terminmarkt, 30 % Spotmarkt und 30 % Windstrom) und zu komplett unterschiedlichen Zeitpunkten fixiert.
Typische Kunden
Großverbraucher ab einem Verbrauch von
1.000.000 kWh (1 GWh).
Vorteile
Nachteile
Praxisbeispiel: Wärmepresswerk
Ausgangssituation
Für das Umformen von Metallen benötigt das Werk rund um die Uhr eine sehr hohe Basisenergie, um die Öfen auf Temperatur zu halten. Im Schichtbetrieb entstehen zudem massive Lastspitzen.
In der Praxis
Die kontinuierliche Grundlast wird bereits ein bis zwei Jahre im Voraus als stabiles Base-Produkt am Terminmarkt eingekauft. Die planbaren Lastspitzen für die Produktionsschichten werden quartalsweise nachgekauft. Kurzfristige Änderungen werden tagesaktuell über den Spotmarkt ausgeglichen.
Die Tranchenbeschaffung
Auch hier kombinieren Sie Festpreis und Spotmarkt. Der Gesamtverbrauch wird in mehrere Teilmengen aufgeteilt, die über die Vertragslaufzeit hinweg eingekauft werden. Typischerweise wird der Bedarf in vier Tranchen aufgeteilt, die im März, Juni, September und November des Vorjahres fixiert werden. Ungeplante Restmengen kommen vom Spotmarkt.
Typische Kunden
Kleine und mittlere Unternehmen ab 500.000 kWh.
Vorteile
Nachteile
Praxisbeispiel: Mittelständischer Metallverarbeiter
Ausgangssituation
Der Geschäftsführer möchte das Risiko eines historisch schlechten Einkaufszeitpunkts minimieren, hat im Alltag aber keine Zeit für tägliches Trading an der Börse.
In der Praxis
Es wird ein Vertrag über vier Tranchen vereinbart, bei dem jeweils 25 % des Bedarfs im März, Juni, September und November des Vorjahres fixiert werden. Verbraucht das Werk im Winter spontan 5 % mehr als prognostiziert, wird diese Restmenge automatisch über den Spotmarkt abgerechnet.
Termin- und Spot-Mischmodelle
Diese Modelle kombinieren Festpreis- und Spotmarktkomponenten mit einer festen Gewichtung, häufig im Verhältnis von 80 zu 20 % oder 70 zu 30 %.
Typische Kunden
Betriebe mit einem Verbrauch ab 250.000 kWh.
Vorteile
Nachteile
Praxisbeispiel: Größeres Hotel mit Wellnessbereich
Ausgangssituation
Das Hotel braucht eine solide Budgetbasis für die Zimmerkalkulation, möchte aber die eigene Photovoltaikanlage optimal einbinden und den günstigen Mittagsstrom nutzen.
In der Praxis
Das Hotel sichert 80 % des Strombedarfs als Festpreis ab. Die restlichen 20 % laufen flexibel über den Spotmarkt, sodass der Betrieb bei günstigen Mittagspreisen direkt spart, ohne das volle Risiko von Preiskrisen zu tragen.
Alle Beschaffungsmodelle im direkten Vergleich
Fast jeder Tarif unterscheidet zwei Ladearten. Der Grund liegt in der Technik: Beim AC-Laden wandelt das Bordladegerät im Auto den Wechselstrom um, beim DC-Laden übernimmt das die Ladesäule selbst – mit entsprechend teurer Leistungselektronik.
| Modell | Planungssicherheit | Kostenersparnis | Flexibilität | Komplexität |
| 1. Festpreis | ||||
| 2. Spotmarkt | ||||
| 3. Portfoliomodell | ||||
| 4. Tranchenbeschaffung | ||||
| 5. Mischmodell |
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Ob Portfolio-, Tranchen- oder Mischmodell: Die konkreten Konditionen unterscheiden sich je Anbieter deutlich. Vergleichen Sie die Angebote für Ihren Jahresverbrauch.
Welches Modell eignet sich für Ihr Unternehmen?
Die Wahl der richtigen Beschaffungsstrategie hängt stark von Ihrem Lastprofil ab. Unsere Tarifexperten analysieren Ihren Verbrauch und finden das optimale Modell für Sie.
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Technische Voraussetzung: RLM-Zähler vs. iMSys
Die beschriebenen strukturierten Modelle funktionieren in der Praxis nur, wenn die Verbrauchsdaten exakt erfasst werden:
Registrierende Leistungsmessung (RLM):
Ab einem Jahresverbrauch von mehr als 100.000 kWh ist dieser Zählertyp gesetzlich vorgeschrieben. Er misst alle 15 Minuten den Verbrauch und übermittelt ihn direkt. Das ist die zwingende Basis für das Portfolio- und Tranchenmodell.
Intelligente Messsysteme (iMSys):
Für kleinere Gewerbekunden unter dieser Grenze genügt ein Smart Meter, um beispielsweise von dynamischen Tarifen oder einfachen Mischmodellen zu profitieren.
Hinweis
Die hier vorgestellten Beschaffungsmodelle gelten ausschließlich für Großkunden. Bitte nutzen Sie bei einem Jahresverbrauch von unter 100.000 kWh unseren Gewerbestrom-Vergleich.
Zusatz-Hebel: Netzentgelte optimieren nach § 19 StromNEV
Ein großer Bereich, der für Einkäufer entscheidend ist, betrifft die Optimierung der staatlich regulierten Netzentgelte. Hier gibt es gesetzliche Sonderregelungen, die perfekt zu den Beschaffungsmodellen passen:
§ 19 Abs. 2 Satz 1 StromNEV
Atypische Netznutzung
Verschiebt ein Unternehmen seine Lastspitzen gezielt aus den Hochlastzeitfenstern des Netzbetreibers (zum Beispiel durch ein Spotmarktmodell mit intelligentem Lastmanagement), sinken die Netzentgelte drastisch.
§ 19 Abs. 2 Satz 2 StromNEV
Intensive Netznutzung
Betriebe mit mehr als 10 GWh Verbrauch und mindestens 7.000 Benutzungsstunden können eine individuelle Reduzierung beantragen. Das muss beim Portfoliomodell von Anfang an berücksichtigt werden.
Risikomanagement: Bonität und Beschaffungsrichtlinie
Besonders bei der Tranchen- und Portfoliobeschaffung neigen Unternehmen dazu, den Markt emotional abpassen zu wollen. Das führt oft zu Fehlentscheidungen. Das Risiko wird minimiert, wenn der Einkauf nach einer klaren Richtlinie mit festen Preisgrenzen (Ober- und Untergrenzen) stattfindet.
Zudem gilt: Je langfristiger und komplexer ein Modell ist, desto genauer prüfen die Energieversorger die Kreditwürdigkeit des Unternehmens. Bei unzureichender Bonität verlangen Versorger oft Bankbürgschaften oder Vorauszahlungen. Das schränkt die Auswahl an Anbietern ein.
Unsere Tarifexperten helfen Ihnen im Rahmen einer Bedarfsanalyse gerne dabei, diese komplexen Marktstrukturen zu durchdringen und die passende Lösung zu finden.
FAQ Industriestrom
Was versteht man unter dem Begriff Pooling beim Stromeinkauf?
Pooling bezeichnet den Zusammenschluss mehrerer kleinerer oder mittlerer Unternehmen zu einer Einkaufsgemeinschaft. Da viele Energieversorger strukturierte Modelle wie die Tranchen- oder Portfoliobeschaffung erst ab hohen Mindestverbräuchen anbieten, können Betriebe durch die Bündelung ihrer Zählpunkte gemeinsam diese Grenzen überspringen und von Großkundenkonditionen profitieren.
Wie lange im Voraus sollte ein Unternehmen den eigenen Energieeinkauf planen?
Für strukturierte Modelle wie die Tranchenbeschaffung oder das Portfoliomanagement empfiehlt sich ein Vorlauf von ein bis zwei Jahren. Dadurch erhält der Einkauf einen ausreichend großen Zeitraum, um gezielt Phasen mit niedrigen Preisen am Terminmarkt für die Absicherung von Teilmengen zu nutzen. Wer zu kurzfristig agiert, muss den gesamten Bedarf im schlimmsten Fall in einer Hochpreisphase einkaufen.
Wie werden Herkunftsnachweise für Ökostrom bei strukturierten Verträgen gehandhabt?
Unternehmen können bei nahezu allen Beschaffungsmodellen vertraglich festlegen, dass sie zu 100 % Grünstrom beziehen möchten. Der Lieferant oder Dienstleister sorgt dann dafür, dass für die am Spot- oder Terminmarkt eingekauften Strommengen parallel entsprechende Herkunftsnachweise (zum Beispiel aus Wind- oder Wasserkraft) im Herkunftsnachweisregister entwertet werden.
Was passiert mit dem Beschaffungsmodell, wenn ein Unternehmen einen neuen Standort eröffnet oder schließt?
Dies wird über sogenannte Übertragungs- oder Abgrenzungsklauseln im Energieliefervertrag geregelt. Bei reinen Festpreismodellen führt die Schließung eines Standorts oft zu unvorhersehbaren Mindermengen, die kostenintensiv ausgeglichen werden müssen, während ein neuer Standort separat eingedeckt werden muss. Strukturierte Modelle wie die Tranchen- oder Portfoliobeschaffung bieten hier deutlich mehr Flexibilität, da neue Zählpunkte einfacher in das bestehende Portfolio integriert und Verbrauchsänderungen flexibel über den Spotmarkt aufgefangen werden können.
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