Experteninterview

Warum sich Treue beim Stromtarif
oft nicht auszahlt

Martin Spörke ist einer unserer erfahrensten Tarifexperten bei Stromvergleich.de. Er verrät im Exklusiv-Gespräch, warum Verbraucher davor zurückschrecken, den Anbieter zu wechseln, und wo die echten Kostenfallen lauern.

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    Im täglichen Kundenkontakt erlebt er, warum viele Verbraucher vor einem Stromanbieterwechsel zurückschrecken – vor allem aus Sorge vor falschen Versprechungen und unseriösen Angeboten.
    Viele befürchten außerdem, dass beim Wechsel etwas schiefgeht und sie viel Ärger haben oder sogar ohne Strom dastehen.
    Im Interview verrät er, wie man diese Hürden sicher umschifft und die echten Kostenfallen der Energieversorger erkennt.

    Martin, die Strompreise fahren seit Monaten Achterbahn. Viele Verbraucher fragen sich aktuell: Sollte man sich jetzt lieber schnell einen günstigen Vertrag für zwei Jahre sichern oder flexibel bleiben, um von sinkenden Börsenpreisen zu profitieren? Wie lautet deine Timing-Strategie?

    Das ist im Moment tatsächlich die Frage aller Fragen. Auf den ersten Blick wirkt ein Zweijahresvertrag extrem verlockend, weil er langfristige Planungs- und Budgetsicherheit bietet. Aber Vorsicht: Ab dem zweiten Jahr verzichtet man damit oft auf einen entscheidenden finanziellen Vorteil.
Sofort- und Neukundenboni werden nämlich fast immer nur für das erste Bezugsjahr gewährt. Im zweiten Jahr fallen diese Vergünstigungen komplett weg, wodurch der Tarif hintenraus faktisch oft deutlich teurer wird.

    Martins Experten-Tipp: 12-Monats-Vertrag statt 24 Monate

    Du sprichst die Bonus-Falle an. Es gibt ja diesen Begriff der „Treue-Prämie“, allerdings im negativen Sinne für den Kunden. Wie hoch ist denn der finanzielle Aufschlag, den treue Bestandskunden Jahr für Jahr unwissentlich an ihren Versorger zahlen?

    Eine pauschale Summe auf den Euro genau gibt es da leider nicht, weil die Anbieter völlig unterschiedlich agieren. Aber fest steht: Die Spanne ist riesig und „Treue“ wird im Energiemarkt leider oft bestraft.

    Es gibt auf dem Markt leider einige Negativbeispiele: Versorger, die nach dem ersten Jahr richtig kräftig draufschlagen, weil sie darauf spekulieren, dass der Kunde den Kündigungstermin verschläft. Wir sehen aber auch faire Ausnahmen. Anbieter wie zum Beispiel Octopus Energy halten die Preisanpassungen für Bestandskunden meist in einem sehr humanen und nachvollziehbaren Rahmen. Wer aber blind beim falschen Anbieter bleibt, zahlt im zweiten Jahr oft mehrere Hundert Euro drauf.

    Ein weiteres großes Thema auf dem Markt ist Nachhaltigkeit. Überall ploppen „Ökotarife“ auf. Wie erkennt man denn als Laie, ob ein Stromanbieter den Ausbau erneuerbarer Energien in Deutschland wirklich aktiv vorantreibt oder nur Greenwashing betreibt?

    Das ist für Laien ohne Hintergrundwissen kaum noch zu durchschauen. Der Begriff „Ökostrom“ allein ist heute leider kein Garant mehr für echten Klimaschutz. Viele Versorger betreiben klassisches Greenwashing, indem sie billige Herkunftsnachweise aus dem Ausland einkaufen. Auf dem Papier ist das dann sauberer Strom, aber im Hintergrund nutzen sie weiterhin fossile oder umweltbelastende Energiequellen, ohne auch nur einen Cent in die Energiewende vor Ort zu investieren.
Um diesen Etikettenschwindel für unsere Nutzer radikal aufzudecken, unterteilen wir die Tarife auf Stromvergleich.de streng in zwei transparente Kategorien:

    Öko-Label 100% Ökostrom

    Der Strom stammt rechnerisch aus erneuerbaren Energien. Hierbei ist der reine, oft kritisierte Handel mit Zertifikaten im Hintergrund jedoch möglich.

    Öko-Plus-Label 100% Ökostrom PLUS

    Diese Tarife garantieren, dass der Versorger nicht wesentlich an Atom- oder Kohlekraftwerken beteiligt ist. Zudem fließt das Geld hier aktiv und nachweisbar in den realen Ausbau der Ökostromproduktion in Deutschland.

    Wer in unserem Vergleichsrechner den Filter für Ökostrom aktiviert, sollte in den Tarifdetails einfach auf unser ÖkoPlus-Label achten. Damit ist man beim Thema Greenwashing auf der sicheren Seite.

    Zum Schluss noch ein Thema, das vielen Verbrauchern Sorgen macht: Anbieter-Pleiten. Dazu kam es in der Vergangenheit ja leider immer wieder. Gibt es konkrete Warnsignale in der Tarifstruktur, an denen Kunden schon vorher erkennen können, dass ein Anbieter finanziell auf wackeligen Beinen steht?

    Absolut, es gibt ein paar klassische Alarmsignale, bei denen man sofort hellhörig werden sollte. Wenn ein Energieversorger in Schieflage gerät, greift er meistens zu drei Mitteln:

    Vorkasse oder Kaution

    Wenn ein Anbieter verlangt, dass man die Energiekosten für Monate im Voraus bezahlt, ist das ein riesiges Warnsignal. Das Unternehmen nutzt das Geld der Kunden dann meist als zinslosen Kredit, um akute Löcher in der eigenen Liquidität zu stopfen.

    Aggressives Dumping

    Liegt der Arbeitspreis massiv unter den tatsächlichen Beschaffungskosten an der Strombörse, ist das nicht mehr wirtschaftlich. Oft ist das der panische Versuch, kurzfristig frisches Bargeld durch Neukunden zu generieren – ein klassisches Schneeballsystem.

    Verzögerte Boni

    Wenn sich im Internet die Beschwerden häufen, dass ein Versorger fällige Guthaben oder Boni erst nach Monaten oder erst nach Einschalten eines Anwalts auszahlt, deutet das auf einen schweren Cashflow-Mangel hin.

    Wie schützt ihr die Kunden auf eurer Plattform vor solchen schwarzen Schafen?

    Da wir vollkommen unabhängig sind und keine Ranking-Plätze an Anbieter verkaufen, können wir hier rigoros durchgreifen. Tarife mit Vorkasse oder unsicheren Bedingungen blenden wir konsequent aus.

    Neues Anbieterbewertungssystem

    Zusätzlich haben wir gerade unser neues Anbieterbewertungssystem an den Start gebracht. Damit schaffen wir eine direkte, ungefilterte Transparenz von Kunden für Kunden, sodass man die Zuverlässigkeit eines Versorgers sofort auf einen Blick einschätzen kann.

    Martin, vielen Dank für dieses offene Gespräch und die wertvollen Tipps. Das hilft unseren Lesern mit Sicherheit dabei, den nächsten Tarifwechsel mit einem deutlich besseren und sichereren Gefühl anzugehen.

    Sehr gern! Am Ende lautet die wichtigste Botschaft: Vergleichen lohnt sich fast immer, man muss nur wissen, worauf man achten muss. Und genau dafür sind wir ja da, damit am Ende niemand unnötig zu viel für seinen Strom bezahlt.

    Fazit des Experten:

    „Vergleichen lohnt sich fast immer, man muss nur wissen, worauf man achten muss. Und genau dafür sind wir ja da, damit am Ende niemand unnötig zu viel für seinen Strom bezahlt.“

    Martin Spörke

    Martin Spörke

    Tarifexperte bei Stromvergleich.de

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