Lastganganalyse für Industrie und Gewerbe:
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Lastganganalyse: Das Wichtigste in Kürze

Ihr Lastgang zeichnet Ihre Leistungsmittelwerte lückenlos im 15-Minuten-Takt auf.
Im Jahresleistungspreissystem bestimmt die höchste Lastspitze eines Abrechnungsjahres die Höhe Ihres Leistungsentgelts.
Betriebliche Anpassungen oder ein Batteriespeicher reduzieren Lastspitzen und damit Ihr Leistungsentgelt.
Das passende Beschaffungsmodell für den Stromeinkauf ergibt sich erst aus einer belastbaren Lastganganalyse.

Was ist ein Lastgang bzw. ein Lastprofil?

Der Stromlastgang zeigt Ihren Verbrauch im zeitlichen Verlauf und wird in der Regel in 15-Minuten-Intervallen erfasst. Daraus lässt sich präzise ablesen, wann und in welcher Höhe Ihr Unternehmen Strom verbraucht und wo typische Lastmuster oder Verbrauchsspitzen auftreten. Innerhalb eines Jahres werden dabei insgesamt 35.040 Messwerte (in Schaltjahren 35.136 Messwerte) erfasst.

Selbst außerhalb der Betriebszeiten besteht meist eine gleichmäßige Grundlast (dauerhafter Mindeststromverbrauch). Während des laufenden Betriebs kommen zusätzliche Verbrauchsspitzen hinzu.

Grafik: Was ist ein Lastgangprofil?
Grafik: Was ist ein Lastgangprofil?

Das Lastprofil beschreibt das charakteristische Muster, das sich aus mehreren Lastgängen ableiten lässt. Es zeigt den typischen Verlauf Ihres Stromverbrauchs über den Tag, die Woche oder die Saison. Häufig werden die Begriffe Lastprofil und Lastgang synonym verwendet. Der Lastgang enthält die tatsächlich gemessenen Verbrauchswerte. Das Lastprofil zeigt den daraus abgeleiteten typischen Verbrauchsverlauf. Diese Messwerte werden als Lastgangdaten bezeichnet und unterscheiden sich von Standardlastprofilen (SLP), die nach § 12 Stromnetzzugangsverordnung (StromNZV) und dem BDEW-Lastprofilverfahren verwendet werden. Während kleinere Verbraucher über diese typisierten Profile pauschal abgerechnet werden, erfolgt bei größeren Betrieben eine individuelle, viertelstundengenaue Messung und Abrechnung.

Wie funktioniert eine Lastgangmessung?

Für die Lastgangmessung kommt ein spezieller RLM-Zähler, auch Lastgangzähler genannt, zum Einsatz. Das zugrunde liegende Messverfahren wird als Registrierende Leistungsmessung (RLM) bezeichnet. Der RLM-Zähler erfasst den Stromverbrauch in 15-Minuten-Intervallen und übermittelt die Messwerte automatisch an den zuständigen Messstellenbetreiber beziehungsweise Netzbetreiber. Für Unternehmen mit einem Jahresverbrauch über 100.000 kWh ist diese Messform Pflicht. Das Gleiche gilt in der Regel bei einem Mittelspannungsanschluss oder größeren Erzeugungsanlagen. Der eigentliche Mehrwert liegt jedoch in den gewonnenen Informationen: Ihr Stromlastgang zeigt Auffälligkeiten, unnötige Leerlaufverbräuche und ungünstige Lastspitzen, die im jährlichen Gesamtverbrauch unentdeckt bleiben.

Woher kommen die Daten?

In der Regel stellt Ihr Netzbetreiber die Lastgangdaten bereit. Alternativ erhalten Sie sie von Ihrem Stromlieferanten oder einem unabhängigen Messstellenbetreiber. Für eine belastbare Lastganganalyse benötigen Sie mindestens zwölf Monate Verbrauchsdaten, Ihre aktuellen Netzentgelt- und Lieferverträge sowie Informationen zu Eigenerzeugung (Photovoltaik, Blockheizkraftwerk) und Speichern.

Warum lohnt sich eine Lastganganalyse?

Die Stromkosten eines Unternehmens setzen sich aus verschiedenen Bestandteilen zusammen. Für die Bewertung des Lastgangs sind vor allem der Arbeitspreis und der Leistungspreis relevant. Während der Arbeitspreis von der verbrauchten Strommenge abhängt, richtet sich der Leistungspreis nach der in Anspruch genommenen Leistung. Weitere Kostenbestandteile wie Grundpreis, Messstellenentgelt, Steuern und Abgaben fließen ebenfalls in die Stromrechnung ein, sind für die Bewertung des Lastgangs jedoch nicht unmittelbar ausschlaggebend.

BestandteilWas wird bezahlt?Bemessungsgrundlage
ArbeitspreisTatsächlich verbrauchte
Energiemenge
ct/kWh, multipliziert mit der
verbrauchten Energiemenge 
LeistungspreisHöchste gemessene
Verbrauchsspitze (Peak)
€/kW/Jahr, multipliziert mit dem
höchsten 15-Minuten-Mittelwert
des Abrechnungsjahres

Entscheidend ist dabei: Im Jahresleistungspreissystem ab 2.500 Benutzungsstunden richtet sich der Leistungspreis nach dem höchsten 15-Minuten-Mittelwert des Jahres. Dieser Spitzenwert bestimmt Ihr Leistungsentgelt für das gesamte laufende Abrechnungsjahr. Netzentgelte machen je nach Netzgebiet und Verbrauchsprofil rund 20–35 % des Industriestrompreises aus. Dabei kann bereits eine einzige, vielleicht nur einmalige Lastspitze mehrere Tausend Euro Mehrkosten verursachen. Für das Leistungsentgelt bleibt diese Jahresspitze maßgeblich, unabhängig davon, wie niedrig der Stromverbrauch in den übrigen Zeiträumen ausfällt. Wie sich Netzentgelte und weitere Preisbestandteile auf den Industriestrompreis auswirken, erfahren Sie in unserem weiterführenden Beitrag.

Wie teuer wird eine einzelne Lastspitze?

Stellen Sie sich folgendes Szenario vor: An einem Montagmorgen laufen mehrere große Maschinen nahezu gleichzeitig an und verursachen zusammen rund 40 kW zusätzliche Leistung. Gleichzeitig benötigen Klimatechnik, Beleuchtung und der reguläre Grundbetrieb bereits etwa 120 kW. Innerhalb eines 15-Minuten-Intervalls steigt die gemessene Leistung dadurch auf 160 kW.

Angenommen, der Netzbetreiber berechnet einen Leistungspreis von 150 €/kW im Jahr und die 160 kW bilden die höchste abrechnungsrelevante Leistung des Jahres. Ohne den gleichzeitigen Maschinenstart hätte die Jahreshöchstlast bei 120 kW gelegen.

Die Rechnung zeigt den Unterschied:

120 kW × 150 €/kW = 18.000 € Leistungsentgelt pro Jahr

160 kW × 150 €/kW = 24.000 € Leistungsentgelt pro Jahr

Die zusätzliche Lastspitze von 40 kW erhöht das jährliche Leistungsentgelt in diesem vereinfachten Beispiel somit um 6.000 €. Entscheidend ist dabei nicht der Energieverbrauch während dieser Viertelstunde in Kilowattstunden (kWh), sondern die in diesem Zeitraum gemessene Leistung in Kilowatt (kW).

Solche Leistungsspitzen entstehen häufig nicht aus betrieblicher Notwendigkeit. Zeitgleiche Einschaltvorgänge sind oft das Ergebnis eingespielter Abläufe, Gewohnheiten oder zufälliger Überschneidungen. Genau hier setzt ein gezieltes Lastmanagement an: Werden größere Verbraucher zeitlich versetzt gestartet, lässt sich verhindern, dass sich ihre Leistungsaufnahme innerhalb desselben 15-Minuten-Intervalls überlagert.

Wie lassen sich mit einer Lastganganalyse Kosten konkret senken?

Nicht jede Lösung erfordert eine große Investition. Oft lassen sich bereits mit einfachen Sofortmaßnahmen erste Einsparpotenziale erschließen. Ein professionelles Lastmanagement für Unternehmen beginnt daher häufig mit kostengünstigen, kurzfristig umsetzbaren Schritten:

PfeilMaschinen zeitversetzt starten: Starten Sie größere Verbraucher wie Kompressoren, Pumpen oder Produktionsanlagen nacheinander statt gleichzeitig, etwa über eine einfache Ablaufsteuerung oder speicherprogrammierbare Steuerung (SPS-Logik). So vermeiden Sie, dass sich hohe Leistungsaufnahmen innerhalb desselben 15-Minuten-Intervalls überlagern.
PfeilEnergieintensive Prozesse verlagern: Verschieben Sie geeignete Produktions-, Lade- oder Wartungsprozesse in Zeiten mit geringerer Auslastung. Dadurch lassen sich Leistungsspitzen gezielt reduzieren.
PfeilLastgrenzen überwachen: Ein Warnsystem zeigt frühzeitig an, wenn sich die Leistung einem festgelegten Grenzwert nähert. Automatische Lastmanagementsysteme können verschiebbare Verbraucher zusätzlich drosseln oder zeitversetzt zuschalten.
PfeilFrequenzumrichter und Sanftanlaufsysteme einsetzen: Softstarter begrenzen hohe Anlaufströme bei größeren Motoren und können dadurch kurzfristige Leistungsspitzen reduzieren. Frequenzumrichter ermöglichen darüber hinaus, die Leistung geeigneter Pumpen, Lüfter und Motoren an den tatsächlichen Bedarf anzupassen. So lassen sich je nach Einsatz sowohl Lastspitzen als auch der Energieverbrauch senken.
PfeilGrundlast prüfen: Identifizieren Sie unnötige Standby-Verbräuche außerhalb der Betriebszeiten und schalten Sie nicht benötigte Anlagen konsequent ab. Das senkt vor allem die verbrauchsabhängigen Stromkosten.
PfeilKlare Betriebsregeln festlegen: Definieren Sie, welche größeren Verbraucher gleichzeitig laufen dürfen und welche zeitlich versetzt gestartet werden sollten. So lassen sich vermeidbare Lastspitzen auch bei manuellen Abläufen verhindern.

Diese Maßnahmen können sich bereits nach wenigen Wochen im Lastgang bemerkbar machen und dazu beitragen, künftige Leistungsspitzen zu reduzieren.

Wichtig

Wichtig: Im Jahresleistungspreissystem ist die höchste Lastspitze des Abrechnungsjahres maßgeblich. Wurde die Jahreshöchstlast bereits erreicht, wirkt sich eine spätere Reduzierung der Lastspitzen in der Regel erst im folgenden Abrechnungsjahr auf das Leistungsentgelt aus.

Beim Lastmanagement in der Industrie liegt der Fokus häufig auf großen Produktionsanlagen, Motoren, Kompressoren oder anderen leistungsintensiven Prozessen, die sich automatisiert überwachen und zeitlich steuern lassen. Beim Lastmanagement im Gewerbe stehen dagegen oft Verbraucher wie Klima- und Lüftungsanlagen, Kühlung, Beleuchtung oder Ladeinfrastruktur im Mittelpunkt, deren Betrieb sich mit einfacheren Steuerungs- und Zeitplänen optimieren lässt.

Experten-Tipp: Prüfen Sie zunächst, welche Ihrer größten Stromverbraucher gleichzeitig in Betrieb sind, bevor Sie in zusätzliche Technik investieren. Häufig lassen sich Lastspitzen bereits durch eine zeitliche Staffelung der Betriebsabläufe reduzieren. Dazu sind weder hohe Investitionen noch großer Umsetzungsaufwand notwendig.

Wann lohnt sich ein Batteriespeicher (BESS)?

Wo organisatorische Maßnahmen an ihre Grenzen stoßen, etwa weil Prozesse nicht verschiebbar sind, kommen Batteriespeichersysteme (BESS, Battery Energy Storage System) ins Spiel. Ein BESS kann drohende Lastspitzen anhand des aktuellen Leistungsverlaufs frühzeitig erkennen und vorausschauend eingreifen. Beim sogenannten Peak Shaving stellt der Batteriespeicher gezielt Energie bereit, bevor die Netzbezugsleistung innerhalb eines 15-Minuten-Intervalls zu stark ansteigt. So lässt sich die abrechnungsrelevante Spitzenleistung begrenzen und damit das Leistungsentgelt senken. Üblich ist eine Auslegung von 10–20 % der Spitzenlast als Speicherleistung. Zusätzlich nutzen Sie einen Speicher für Eigenverbrauchsoptimierung, Notstromversorgung oder die Teilnahme an Flexibilitätsmärkten.

Grafik: So funktioniert Peak Shaving
Grafik: So funktioniert Peak Shaving

Ob  sich ein BESS wirtschaftlich lohnt, hängt vom individuellen Lastprofil, den Investitionskosten, dem Leistungspreis des Netzbetreibers sowie von Höhe und Häufigkeit der Lastspitzen ab. Je nach Lastprofil und Auslegung sind Amortisationszeiten von etwa vier bis acht Jahren möglich. Eine fundierte Wirtschaftlichkeitsberechnung ist hier unerlässlich, mehr dazu in unserem Beitrag zu Gewerbespeichern.

Welches Beschaffungsmodell passt zu Ihrem Lastprofil?

Nicht jedes Unternehmen profitiert vom gleichen Einkaufsmodell. Die passende Strategie richtet sich nach Verbrauchsstruktur, Risikobereitschaft und Planungssicherheit:

LastprofilPassendes ModellKurz erklärtKostenwirkung
Gleichmäßig, gut
planbar
Vollversorgung mit
Festpreis
Strom wird zu einem festen Preis für
einen vereinbarten Zeitraum beschafft.
Hohe Budgetsicherheit, meist mit
Risikoaufschlag im Preis.
Saisonale oder
schwankende
Verbräuche
TranchenbeschaffungDer Strombedarf wird schrittweise zu
mehreren Zeitpunkten eingekauft.
Verteilt das Preisrisiko und kann
günstige Marktphasen nutzen.
Große, flexible
Verbraucher
Spotmarkt- oder
Fahrplanbeschaffung
Strom wird kurzfristig und möglichst
nah am tatsächlichen Bedarf beschafft.
Höheres Einsparpotenzial, aber auch
höheres Preisrisiko.
Eigenerzeugung oder
Speicher
Hybride BeschaffungNur der verbleibende Strombedarf, die
sogenannte Residuallast, wird extern
beschafft.
Senkt die zugekaufte Strommenge
und damit potenziell die
Beschaffungskosten.
Unsicherer oder
wachsender Bedarf
Flexible VerträgeMengen können innerhalb
vereinbarter Grenzen angepasst
werden.
Reduziert Zusatzkosten bei
Abweichungen vom geplanten
Verbrauch.

Zur Einordnung: Bereits 1 ct/kWh Preisunterschied entspricht bei einem Jahresverbrauch von 100.000 kWh rund 1.000 € pro Jahr. Ob sich eine bestimmte Beschaffungsstrategie rechnet, hängt jedoch vom individuellen Lastprofil und von der weiteren Marktentwicklung ab. 

Welches Modell tatsächlich passt, lässt sich erst nach einer sauberen Lastganganalyse seriös beurteilen. Einen ersten Überblick über die Grundlagen der Energiebeschaffung finden Sie in unserem Beitrag zur Strombeschaffung.

Wie führen Sie eine Lastganganalyse Schritt für Schritt durch?

Schritt 1

Schritt 1
Daten beschaffen:

Fordern Sie mindestens zwölf Monate Lastgangdaten beim Netzbetreiber oder Lieferanten an.

Schritt 2

Schritt 2
Verträge sichten:

Stellen Sie Ihre aktuellen Netzentgelt- und Lieferkonditionen zusammen.

Schritt 3

Schritt 3
Grundlast und Spitzen identifizieren:

Werten Sie Tages-, Wochen- und Saisonmuster aus und markieren Sie auffällige Peaks.

Schritt 4

Schritt 4
Ursachen klären:

Prüfen Sie, welche Anlagen oder Prozesse für die Spitzen verantwortlich sind.

Schritt5

Schritt 5
Maßnahmen ableiten:

Legen Sie organisatorische Sofortmaßnahmen, technische Lösungen wie Softstarter oder BESS sowie das passende Beschaffungsmodell fest.

Schritt6

Schritt 6
Wirkung kontrollieren:

Prüfen Sie den optimierten Lastgang laufend gegen die nächste Abrechnung.

Welche Tools und Software eignen sich für die Lastganganalyse?

Für eine erste Lastganganalyse reichen häufig bereits der CSV-Export der Messdaten und Programme wie Excel oder Power BI aus. Wer Lastgänge dauerhaft überwachen möchte, kann auf spezielle Energiemanagement-Software wie Robotron eprofiler, econ4 oder IngSoft InterWatt zurückgreifen. Solche Systeme visualisieren Lastverläufe, vergleichen Zeiträume und können bei auffälligen Verbrauchswerten oder definierten Lastgrenzen automatisch warnen.

Energiemanagement-Software kann zudem ein Energiemanagementsystem nach DIN EN ISO 50001 unterstützen, etwa bei der Datenauswertung, Überwachung und Dokumentation. Zertifiziert wird dabei das Managementsystem des Unternehmens, nicht die Software selbst.

Auch die Förderfähigkeit kann bei der Auswahl eine Rolle spielen: Über Modul 3 der Bundesförderung für Energie- und Ressourceneffizienz in der Wirtschaft (EEW) können gelistete Energiemanagement-Software sowie zugehörige Mess-, Steuer- und Sensortechnik gefördert werden. Die Fördersätze liegen bei bis zu 45 % für kleine, 35 % für mittlere und 25 % für große Unternehmen.

Für welche Unternehmen lohnt sich eine Lastganganalyse?

Eine Lastganganalyse ist grundsätzlich für alle Betriebe sinnvoll, deren Stromverbrauch über eine Lastgangmessung erfasst wird. Besonders aufschlussreich ist sie, wenn der Verbrauch stark schwankt oder hohe Leistungsspitzen auftreten. Das kann auch bei kleineren Betrieben der Fall sein. Ein besonders großes Optimierungspotenzial besteht zudem bei Betrieben mit Mittelspannungsanschluss, mehreren Maschinen mit hohem Anlaufstrom oder Schichtbetrieb, da hier zufällige Gleichzeitigkeiten besonders häufig teure Lastspitzen verursachen. 

Für energieintensive Betriebe kann eine saubere Lastganganalyse zudem die Grundlage für ein individuelles Netzentgelt nach § 19 StromNEV bilden. Typische Verbrauchsprofile und passende Tarife unterscheiden sich je nach Betriebsgröße und Verbrauchsstruktur. Einen Überblick bieten unsere Beiträge zu Gewerbestrom und Industriestrom. 

Für Unternehmen mit hohem Energieverbrauch gewinnt eine belastbare Datengrundlage zusätzlich an Bedeutung. Nach dem Energieeffizienzgesetz (EnEfG) müssen Unternehmen mit mehr als 2,5 GWh durchschnittlichem Gesamtendenergieverbrauch Umsetzungspläne für wirtschaftlich identifizierte Energieeinsparmaßnahmen erstellen und veröffentlichen. Ab mehr als 7,5 GWh ist ein Energie- oder Umweltmanagementsystem nach ISO 50001 oder EMAS (Eco-Management and Audit Scheme) vorgeschrieben. Eine Lastganganalyse ist dabei keine gesetzliche Pflicht, kann aber wichtige Verbrauchsdaten liefern, um Einsparpotenziale bei der Stromnutzung zu erkennen und Maßnahmen fundiert zu bewerten.

Wichtig

Hinweis: Das Bundeskabinett hat am 24. Juni 2026 eine Reform des Energieeffizienzgesetzes auf den Weg gebracht. Vorgesehen ist, die Schwelle für verpflichtende Energie- oder Umweltmanagementsysteme von 7,5 auf 23,6 GWh anzuheben. Die Schwelle für Umsetzungspläne soll von 2,5 auf 2,77 GWh steigen. Das Gesetzgebungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen; bis zum Inkrafttreten gelten die bisherigen Schwellenwerte.

KriteriumVoraussetzungen und Schwellenwerte
JahresverbrauchAb 100.000 kWh: i. d. R. RLM-Messung
NetzanschlussMittelspannungsanschluss vorhanden
AnlagentechnikMehrere Maschinen oder Anlagen mit hoher Leistungsaufnahme
BetriebsformSchichtbetrieb oder deutlich wechselnde Lastprofile
Individuelles Netzentgelt
(§ 19 StromNEV)
Mindestens 7.000 Benutzungsstunden und mehr als 10 GWh Jahresverbrauch
Gesetzliche Anforderungen
(EnEfG*)
Ab 2,5 GWh: Umsetzungspläne; ab 7,5 GWh: Energie- oder Umweltmanagementsystem.
Die Schwellen sollen im Zuge der laufenden Reform angehoben werden.

*Stand September 2026

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Häufige Fragen zu Lastgang und Lastganganalyse

Was ist der Unterschied zwischen Lastgang und Lastprofil?

Der Lastgang ist die konkrete, gemessene Zeitreihe Ihres Verbrauchs im 15-Minuten-Takt. Das Lastprofil ist das daraus abgeleitete, typische Verbrauchsmuster Ihres Betriebs.

Was sind Lastgangdaten?

Lastgangdaten sind die einzelnen Messwerte des Lastgangs, bei einer Jahresmessung 35.040 Datenpunkte, die Verbrauch und Zeitpunkt jeder Viertelstunde dokumentieren. Berechnung: 96 Messwerte pro Tag (4 pro Stunde) × 365 Tage = 35.040 Messwerte pro Jahr (35.136 Messwerte im Schaltjahr).

Was kostet eine Lastgangmessung bzw. eine Lastganganalyse?


Für eine RLM-Messstelle fällt ein separates jährliches Entgelt für den Messstellenbetrieb an. Als Orientierung liegen veröffentlichte Preise 2026 je nach Messstellenbetreiber, Spannungsebene und technischer Ausstattung bei etwa 150 € bis über 1.000 € pro Jahr, in einzelnen Fällen auch über 1.000 €. Die Kosten einer anschließenden Lastganganalyse hängen vom Umfang und Anbieter ab. Unsere Erstanalyse ist kostenlos und unverbindlich und zeigt, welche Optimierungspotenziale in Ihrem Lastprofil bestehen.

Welche Daten benötige ich für eine Lastganganalyse und woher erhalte ich diese?

Für eine Lastganganalyse benötigen Sie mindestens zwölf Monate Lastgangdaten sowie Ihre aktuellen Netzentgelt- und Lieferverträge. Die Lastgangdaten erhalten Sie in der Regel von Ihrem Netzbetreiber, alternativ von Ihrem Stromlieferanten oder Messstellenbetreiber.

Wie häufig sollte ein Unternehmen den Lastgang überprüfen: monatlich, täglich oder quartalsweise?

Prüfen Sie den Lastgang mindestens einmal jährlich vor der Energiebeschaffung, idealerweise aber kontinuierlich über ein Energiemonitoring. Nach ISO 50001 zertifizierte Betriebe legen in ihrem Messkonzept selbst fest, in welchen Abständen die Überwachung erfolgt. Üblich sind monatliche oder quartalsweise Auswertungen, mit denen sich schleichende Standby- und Leerlaufverluste frühzeitig erkennen lassen.

Für welche Unternehmen ist eine Lastganganalyse sinnvoll und ab welcher Unternehmensgröße?

Eine Lastganganalyse kommt grundsätzlich für Betriebe mit Lastgangmessung ab einem jährlichen Verbrauch von 100.000 kWh infrage. Sie kann aber auch für kleinere und mittlere Unternehmen (KMU) lohnend sein, wenn der Stromverbrauch stark schwankt oder die Energiekosten einen hohen Anteil an den Betriebskosten ausmachen.

Was genau ist der Unterschied zwischen Arbeitspreis und Leistungspreis?

Das Arbeitsentgelt ergibt sich aus der verbrauchten Energiemenge (kWh), multipliziert mit dem jeweiligen Arbeitspreis. Das Leistungsentgelt wird aus der höchsten abrechnungsrelevanten Leistung (kW) im Abrechnungszeitraum und dem festgelegten Leistungspreis berechnet. Entscheidend ist dabei der maßgebliche Höchstwert, unabhängig davon, wie oft er erreicht wurde.

Rechnet sich ein Batteriespeicher (BESS) für jedes Unternehmen?

Nein, nicht in jedem Fall. Ob sich ein Batteriespeicher wirtschaftlich lohnt, hängt vor allem von der Höhe und Häufigkeit der Lastspitzen, den Investitionskosten sowie der jeweiligen Netzentgeltstruktur ab. Daher sollte die Wirtschaftlichkeit stets individuell geprüft werden.

Muss ich meinen Betrieb umstellen, um Lastspitzen zu senken?

Nein. Viele wirksame Maßnahmen wie zeitversetztes Zuschalten oder Alarmsysteme lassen sich ohne Eingriff in die Produktionsabläufe umsetzen.

Welche Rolle spielt die Lastganganalyse für individuelle Netzentgelte nach § 19 StromNEV?

Wer sein Netz besonders intensiv nutzt (mindestens 7.000 Benutzungsstunden und über 10 GWh Jahresverbrauch) oder seine Spitzenlast nachweislich in lastschwache Zeiten legt, kann ein individuelles, reduziertes Netzentgelt vereinbaren. Je nach Benutzungsstundenzahl liegt die Ermäßigung bei bis zu 90 % gegenüber dem regulären Satz. Ob diese Voraussetzungen erfüllt sind, zeigt erst eine genaue Lastganganalyse.

Wo kann ich meine Lastgangdaten einsehen und welchen Zeitraum brauche ich für eine Analyse?

Ihre Lastgangdaten erhalten Sie in der Regel über den Messstellen- oder Netzbetreiber, häufig über ein Online-Portal oder auf Anfrage. Für eine aussagekräftige Lastganganalyse sollten mindestens zwölf zusammenhängende Monate vorliegen, damit auch saisonale Schwankungen berücksichtigt werden können.

Was ist der Unterschied zwischen Lastganganalyse, Energieaudit und Energiemanagementsystem?

Eine Lastganganalyse untersucht den zeitlichen Verlauf des Stromverbrauchs und macht unter anderem Lastspitzen, Grundlasten und mögliche Optimierungspotenziale sichtbar.

Ein Energieaudit nach DIN EN 16247-1 betrachtet den Energieeinsatz eines Unternehmens umfassender. Dabei werden beispielsweise Gebäude, Anlagen, Prozesse und Verbrauchsdaten untersucht, um wirtschaftliche Energieeffizienzmaßnahmen zu identifizieren.

Energiemanagementsystem nach DIN EN ISO 50001 geht noch weiter: Es verankert die kontinuierliche Verbesserung der energiebezogenen Leistung dauerhaft in den betrieblichen Prozessen und Verantwortlichkeiten.

Die Lastganganalyse kann sowohl für ein Energieaudit als auch für ein Energiemanagementsystem wertvolle Verbrauchsdaten liefern, ersetzt jedoch keines von beiden.

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