Die Debatte über die Reformen der Energiewende hat sich deutlich zugespitzt. Kraftwerksstrategie, Netzpaket und EEG-Reform stoßen in der Energiebranche auf erhebliche Kritik. Gleichzeitig zeichnet sich nach dieser Einordnung ein Übergang in eine neue Phase ab: Die Energiewende scheitert nicht, sondern steht nach dem Erfolg der erneuerbaren Energien vor neuen Anforderungen an das Stromsystem.
Der Beitrag beschreibt eine Branche am Scheidepunkt. Er verweist darauf, dass erneuerbare Energien längst vom Nischenprojekt zum tragenden Pfeiler der Stromversorgung geworden seien. Gerade deshalb rücken nun Systemfragen wie Flexibilität, Netzdienlichkeit und Versorgung in den Vordergrund.
Reformen bei Kraftwerken, Netzen und EEG sorgen für Kritik
Bei der Kraftwerksstrategie, die im Mai vom Kabinett als StromVKG beschlossen wurde, geht es um die Absicherung der Stromversorgung in Dunkelflauten. Dass gesicherte Kapazität benötigt wird, gilt als breiter Konsens. Umstritten bleibt jedoch die konkrete Ausgestaltung. Das 10-Stunden-Kriterium bei 9 von 11 GW schließt Batteriespeicher nach dieser Darstellung faktisch aus, vor allem wegen der Vorgabe der Wiederverfügbarkeit innerhalb einer Stunde.
Auch beim Netzpaket wird ein reales Problem beschrieben: Anlagenzubau und Netzausbau laufen nicht im gleichen Takt, Engpässe und Redispatch-Kosten steigen. In kapazitätslimitierten Gebieten sollen neue Anlagen für bis zu zehn Jahre keine Entschädigung bei Abregelung erhalten. Eine UBA-Berechnung sieht dadurch 40 Mrd. € zusätzliche EEG-Kosten, während ein Rechtsgutachten des Bundesverbands Windenergie vor EU-rechtlichen Konflikten warnt.
Die EEG-Reform gilt ebenfalls als überfällig, weil das Gesetz 2000 für den flächendeckenden Ausbau erneuerbarer Energien konzipiert wurde. Kritisiert wird am Referentenentwurf vom 20. April unter anderem die geplante Abschaffung der festen Einspeisevergütung für kleine Dachanlagen. Auch die Streichung der Agri-Photovoltaik-Förderung wird als problematisch beschrieben.
„Die Energiewende scheitert nicht an ihren Problemen, sie stößt an die Grenzen ihres bisherigen Erfolgs.“
David Wortmann, zitiert bei pv-magazine.de
Erneuerbare Energien sind laut Beitrag längst tragende Säule
Der Text ordnet die Entwicklung der Energiewende als langfristigen Prozess ein. In den 1990er und frühen 2000er Jahren sei zunächst der politische Förderrahmen aufgebaut worden. Danach habe eine Phase der industriellen Skalierung eingesetzt.
Als Beleg für diesen Erfolg werden mehrere Zahlen genannt. Photovoltaik-Freiflächenanlagen und Onshore-Windparks seien in Deutschland mit 4,1 bis 9,2 ct/kWh die günstigsten Kraftwerksarten. Weltweit sei Photovoltaik mit 2.800 GW installierter Leistung inzwischen die größte Stromerzeugungstechnologie, allein 2025 seien 605 GW hinzugekommen. In Deutschland hätten Erneuerbare bereits 2024 rund 60 % der öffentlichen Nettostromerzeugung gestellt.
Nach dieser Darstellung liegt der Engpass heute weniger bei der Erzeugung als bei der Flexibilität. Der Schwerpunkt verschiebe sich deshalb weg vom reinen Zubau hin zu Speicheraufbau, flexiblen Verbrauchern, Netzdienlichkeit und Sektorenkopplung.
Welche Ansätze für die nächste Phase genannt werden
Für die nächste Phase der Energiewende nennt der Beitrag mehrere Vorschläge innerhalb des bestehenden Reformrahmens. Bei der EEG-Reform wird ein Marktwertkorridor mit Unter- und Obergrenze beim CfD-Mechanismus als mögliche Lösung genannt. Dieser solle in Niedrigpreisphasen absichern und zugleich begrenzte Mehrerlöse in Hochpreisphasen zulassen.
Für kleine Dachanlagen wird der Erhalt der Festvergütung als sinnvoll beschrieben, bis die Direktvermarktung tragfähig ist. Beim Netzpaket wird eine systemdienliche Anschlussleistung, kurz SAL, als Alternative zum umstrittenen Redispatch-Vorbehalt genannt. Sie soll Planbarkeit für Anlagenbetreiber schaffen und zugleich den Netzausbaubedarf reduzieren.
Als weitere Ergänzungen werden netzoptimierte Ausschreibungen, Cable Pooling und Überbauungsrechte genannt. Das Einsparpotenzial bei den Systemkosten wird in diesem Zusammenhang mit bis zu 80 Mrd. € beziffert.
„Die eigentliche Herausforderung besteht heute darin, ein Stromsystem zu gestalten, das mit ihrem Erfolg umgehen kann.“
David Wortmann, zitiert bei pv-magazine.de
Fazit
Die aktuelle Reformdebatte markiert in dieser Einordnung keinen Zusammenbruch der Energiewende, sondern den Übergang in ein Integrationsprojekt. Die Konflikte drehen sich demnach nicht mehr um die grundsätzliche Funktionsfähigkeit erneuerbarer Energien, sondern um die Frage, wie das Stromsystem an ihren Erfolg angepasst wird. Entscheidend bleibt, wie Kraftwerksstrategie, Netzpaket und EEG-Reform am Ende ausgestaltet werden.
Quellen
