Kläranlagen in Rheinland-Pfalz setzen stärker auf Solarstrom

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Kläranlagen in Rheinland-Pfalz entwickeln sich zunehmend zu Energieproduzenten. Besonders die Verbandsgemeinden Vordereifel und Schweich sowie die Stadt Zweibrücken zeigen, wie sich mit Photovoltaik und Speichertechnik Energiekosten senken und die Energieunabhängigkeit stärken lassen. Damit rückt zugleich ein Thema in den Mittelpunkt, das für kommunale Betriebe hohe Relevanz hat: Kläranlagen zählen zu den größten Stromverbrauchern in kommunalen Strukturen und verursachen dadurch erhebliche Kosten.

In der Vordereifel setzt das Verbandsgemeindewerk auf einen Mix verschiedener Solartechnologien. An insgesamt neun Klär- und Pumpwerkstandorten kommen Dach-PV-Anlagen, Solartracker und steckerfertige Solaranlagen zum Einsatz. An mehreren Standorten sind zudem Batteriespeicher integriert, um die Energieversorgung auch bei wechselhaftem Wetter zu sichern. Bei einem jährlichen Strombedarf von rund 600.000 kWh spart das Werk durch die Nutzung von Sonnenenergie bereits heute einige Zehntausend Euro pro Jahr ein.

Vordereifel plant Solarkraftwerk und Strombilanzkreis

Die Verbandsgemeindewerke Vordereifel wollen den Ausbau nun deutlich vorantreiben. Geplant ist ein Solarkraftwerk, das jährlich rund 16 Mio. kWh Strom erzeugen soll. Dieser Strom soll im Rahmen eines Strombilanzkreises direkt vor Ort genutzt werden. Zusätzlich befinden sich drei weitere Trackersysteme, weitere Batteriespeicher sowie ein elektrischer Allradtransporter in der Umsetzung.

„Mit diesen Schritten zeigt unsere Verbandsgemeinde, wie innovative Technologien und Umweltbewusstsein kombiniert werden können. Photovoltaik ist ein wichtiger Baustein auf dem Weg zu einer klimaneutralen und nachhaltigen Energieversorgung.“

Markus Atzor, zitiert bei energieagentur.rlp.de

Auch in Gau-Bickelheim wird dieser Kurs sichtbar. Dort wurde auf den Dächern der Klärschlammlagerhalle und des Schlammentwässerungsgebäudes eine 106 kWp starke Photovoltaikanlage errichtet. Auf rund 500 m² soll sie künftig über 100.000 kWh Strom pro Jahr erzeugen. Da auf der Kläranlage rund um die Uhr Strom benötigt wird, kann diese Energie vollständig selbst verbraucht werden. Das Einsparpotenzial bei den Stromkosten liegt bei 25.000 bis 30.000 € pro Jahr.

Zweibrücken und Schweich steigern Eigenstromanteil

In Zweibrücken sind auf allen Kläranlagen-Gebäuden PV-Anlagen installiert, zusätzlich liefert ein Solarzaun Strom. Der Erdgas-Anschluss konnte bereits abgestellt werden. Der jährliche Strom- und Wärmebedarf von rund 1,1 Mio. kWh wird dort bereits heute zu 80 % durch Eigenproduktion gedeckt. Ein Klärgas-Blockheizkraftwerk produziert jährlich rund 800.000 kWh Strom, hinzu kommen rund 100.000 kWh aus Solarkollektoren. Das entspricht einer jährlichen Stromkosteneinsparung von rund 260.000 €.

Ein Batteriespeicher mit 233 kWh Speicherkapazität gleicht in Zweibrücken Schwankungen zwischen Produktion und Verbrauch aus. Künftige Maßnahmen wie ein PV-Tracker-System mit rund 180.000 kWh Stromerzeugung pro Jahr und die Erweiterung des Gasspeichers sollen die vollständige Eigenstromversorgung sichern. Auch in Schweich wird das vorhandene Potenzial intensiv genutzt. An der Gruppenkläranlage Leiwen erzeugen zwei PV-Anlagen mit insgesamt 566 kWp rund 600.000 kWh Strom pro Jahr und damit mehr als die Anlage selbst benötigt.

Energieneutralität bis 2045 setzt Kommunen unter Zugzwang

Überschüssiger Strom aus Leiwen wird innerhalb eines Strombilanzkreises auf andere Liegenschaften der Verbandsgemeindewerke Schweich verteilt. Dazu gehören auch die Gruppenkläranlage Riol, sieben Grundschulen und zahlreiche Feuerwehrgerätehäuser. Bereits heute fallen die Kosten für den Netzbezug dort durch den selbst erzeugten Strom jährlich um etwa 180.000 € geringer aus.

„Durch die EU-Kommunalabwasserrichtlinie müssen Kommunen ihre Kläranlagen bis 2045 energieneutral betreiben. Deshalb müssen sie aktiv werden. Wir unterstützen sie dabei.“

Alexander Ehl, zitiert bei energieagentur.rlp.de

Auch für die AWW in Gau-Bickelheim und Wöllstein ist der nächste Schritt bereits terminiert. Bis zum Jahr 2027 soll eine Faulungsanlage in Betrieb gehen, deren Faulgasproduktion und Verstromung über ein Blockheizkraftwerk weitere 550.000 kWh Strom pro Jahr erzeugen soll. Genannt wird dies als ausreichend, um die Kläranlage Gau-Bickelheim energieneutral zu betreiben. Zusätzlich ist vorgesehen, auch Saulheim mit einer vergleichbaren Photovoltaikanlage auszustatten und überschüssige Energie ab 2027 innerhalb eines eigenen Strombilanzkreises zu verrechnen.

Damit zeigt sich in Rheinland-Pfalz ein klarer Trend: Aus großen kommunalen Stromverbrauchern werden zunehmend dezentrale Energiezentren. Das senkt Kosten, stärkt die Versorgungssicherheit und unterstützt das Ziel, Kläranlagen langfristig energieneutral zu betreiben.

Quellen

Autor: Ronny Blochwitz

Energieexperte bei Stromvergleich.de

Ronny Blochwitz ist Energieexperte mit über 15 Jahren Erfahrung in der Energiewirtschaft und unterstützt bei einem Energievergleichsportal Verbraucher bei fundierten Strom- und Gasentscheidungen.


Stand: 4. Mai 2026
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