Ein Gesetzentwurf aus dem Wirtschaftsministerium könnte die Förderung neuer privater Solaranlagen deutlich verändern. Im Kern geht es um die Frage, wie der Ausbau der Photovoltaik weiter vorankommt, wenn staatliche Unterstützung für bestimmte Anlagen wegfällt. Für Stromkunden und die Energiewende sind solche Regeln relevant, weil sie Investitionsentscheidungen im privaten Bereich und die Einspeisung ins Netz beeinflussen.
Gesetzentwurf: Keine Förderung mehr für neue Solaranlagen auf Ein- und Zweifamilienhäusern
Der Entwurf sieht vor, dass Solaranlagen von Ein- oder Zweifamilienhäusern künftig nicht mehr gefördert werden sollen. Bislang gibt es für neu installierte Anlagen eine Vergütung, wenn Strom nicht selbst verbraucht, sondern ins Stromnetz eingespeist wird. Für Installationen im laufenden Jahr werden dabei bis zu 12 ct/kWh genannt. Das Wirtschaftsministerium will nach dieser Darstellung sparen, auch mit Blick auf Herausforderungen im Stromnetz.
Als Begründung für den Handlungsdruck wird auf die Belastung der Netze verwiesen, wenn viel Wind weht oder die Sonne scheint. Der parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion im Bundestag, Steffen Bilger, beschreibt die Lage so:
„Wir haben ja eine Situation in Deutschland, wenn der Wind weht, wenn die Sonne scheint, dass das Netz schon einiges zu bewältigen hat. Also wir haben eine Riesenherausforderung für unsere Energienetze.“
Steffen Bilger, zitiert bei tagesschau.de
Einspeisung ins Netz: Nur noch die Hälfte des Solarstroms verkaufen
Neben dem Stopp der Förderung für neue Anlagen auf Ein- und Zweifamilienhäusern enthält der Entwurf eine weitere Einschränkung: Besitzer solcher Anlagen sollen nur noch die Hälfte ihres Solarstroms verkaufen dürfen. Zusätzlich wird beschrieben, dass der Verkauf komplizierter werden soll. Damit würde sich nicht nur die staatliche Unterstützung ändern, sondern auch das Modell, mit dem Haushalte bislang überschüssigen Solarstrom vergüten lassen können.
Gleichzeitig werden Ausnahmen genannt. Für Balkonkraftwerke und bestehende Anlagen sollen diese Änderungen nicht gelten. Der Entwurf befindet sich außerdem in einem frühen Stadium; die Diskussion um Details hat gerade erst begonnen.
Politische Reaktionen: Grüne sprechen von „blinder Zerstörungswut“, SPD fordert Nachbesserungen
Der Co-Vorsitzende der Grünen, Felix Banaszak, kritisiert die Pläne scharf und sieht darin eine Schwächung einer zentralen Technologie der Energiewende. Er sagt:
„Und man muss es wirklich blinde Zerstörungswut nennen.“
Felix Banaszak, zitiert bei tagesschau.de
Auch aus der SPD kommt deutlicher Widerspruch. Die SPD-Energiepolitikerin Nina Scheer bezeichnet eine Förderstreichung für kleine Dachanlagen von bis zu 25 kW als „inakzeptabel“ und verbindet das mit der Forderung nach Änderungen am Entwurf. Scheer wird mit den Worten zitiert:
„Wir brauchen alle Segmente der Erneuerbaren. Da muss also nachgebessert werden.“
Nina Scheer, zitiert bei tagesschau.de
Solarwirtschaft: Warnung vor Ausbleiben neuer Anlagen trotz sinkender Preise
In der Debatte spielt auch eine Rolle, dass Solaranlagen günstiger geworden sind. Genannt wird, dass sich eine neue Anlage auch ohne Förderung lohnen kann, vor allem mit zusätzlichem Speicher und wenn der Strom selbst für E-Auto oder Wärmepumpe genutzt wird, statt ihn zu verkaufen. Gleichzeitig wird auf eine psychologische Komponente verwiesen: Verunsicherung könne Investitionen bremsen.
Der Bundesverband Solarwirtschaft geht dennoch davon aus, dass sich ohne Förderung vom Staat fast niemand mehr eine neue Solaranlage für sein Eigenheim kauft. Ergänzend beschreibt eine Studie des Instituts für Solarwirtschaft die Bedeutung staatlicher Förderungen für die Rentabilität: Ohne diese Unterstützung könnten bis zu 90 % der neuen Installationen ausbleiben (Institut für Solarwirtschaft). Damit stehen die geplanten Einschnitte in einem direkten Zusammenhang mit der Frage, wie schnell der weitere Ausbau gelingt.
Markt in Zahlen: Rekordjahr 2025 und mögliche Folgen für den Ausbau
Die Marktdaten unterstreichen, welche Größenordnung private und gewerbliche Photovoltaik in Deutschland erreicht hat. Nach einer Marktanalyse des Bundesverbands Solarwirtschaft waren im Jahr 2025 in Deutschland 4,2 Mio. Solaranlagen installiert. Gleichzeitig erreichte der Ausbau mit 12,3 GW neu installierter Photovoltaik-Leistung einen Höchststand (Bundesverband Solarwirtschaft e.V.).
Vor diesem Hintergrund erhält der Entwurf zusätzliche Brisanz: Wenn bei neuen privaten Dachanlagen Förderung und Verkaufsmöglichkeiten eingeschränkt werden, könnte sich das auf die Dynamik eines Marktes auswirken, der zuletzt stark gewachsen ist. Gleichzeitig bleibt als Gegenargument im Raum, dass sinkende Installationspreise die Wirtschaftlichkeit auch ohne staatliche Unterstützung verbessern könnten.
Fazit
Der Gesetzentwurf zur Kürzung der Solarförderung setzt bei neuen Anlagen auf Ein- und Zweifamilienhäusern an und würde zugleich die Möglichkeiten zur Vermarktung von Solarstrom begrenzen. Die Reaktionen reichen von scharfer Kritik der Grünen bis zur Forderung nach Nachbesserungen aus der SPD, während als Motiv die Entlastung und der Ausbau der Energienetze genannt werden. Zahlen zum Rekordausbau 2025 und Warnungen vor einem Einbruch neuer Installationen zeigen, warum die geplanten Regeln als Weichenstellung für die weitere Entwicklung der Solarenergie gelten.
