Der Anstieg der Öl- und Gaspreise infolge des Iran-Kriegs rückt eine schon länger bestehende Belastung für die deutsche Wirtschaft erneut in den Mittelpunkt. Die Energiekosten gelten seit 2022 als zentraler Treiber der wirtschaftlichen Schwäche. Besonders deutlich zeigt sich das bei den Industriestrompreisen, die weiterhin zwei- bis dreimal so hoch liegen wie in China oder den USA. Damit wächst der Druck auf Produktion, Investitionen und staatliche Hilfen.
Noch vor einem Monat galt 2025 als möglicher Wendepunkt. Nach der Rezession von 2023 bis 2024 verzeichnete Deutschland im Jahresvergleich ein BIP-Wachstum von 0,2 %, getragen von höheren Staatsausgaben. Zugleich stiegen die Erwartungen für 2026 und die Folgejahre, nachdem ein 500-Mrd.-€-Fonds zur Modernisierung der Infrastruktur und zur Dekarbonisierung der Wirtschaft angekündigt worden war. Der jüngste Energiepreisanstieg wirft jedoch ein neues Licht auf die Stabilität dieses Kurses.
Hohe Industriestrompreise bremsen die deutsche Industrie
Die hohen Stromkosten treffen vor allem das verarbeitende Gewerbe. Dessen Produktion liegt weiterhin knapp 10 % unter dem Niveau von Ende 2019. In energieintensiven Industrien fällt der Rückstand noch stärker aus und erreicht rund 20 %. Damit wird sichtbar, wie stark sich die Energiepreise auf die industrielle Leistungsfähigkeit auswirken.
Auch die strukturelle Dimension der Entwicklung wird hervorgehoben. Konstantinos Panitsas beschreibt die Lage so:
„Der aktuelle Anstieg der Energiepreise macht zugleich eine tiefere strukturelle Schwäche Deutschlands sichtbar: ein stromintensives Industriemodell, das auf ein Stromnetz angewiesen ist, dessen Betrieb teuer und schwer effizient zu organisieren ist.“
Konstantinos Panitsas, zitiert bei LinkedIn
Damit verbindet sich die aktuelle Preisentwicklung direkt mit langfristigen Standortfragen. Der Iran-Krieg wirkt in diesem Zusammenhang nicht nur als externer Schock, sondern auch als Belastungstest für ein bereits angespanntes System.
Netzengpässe verteuern Strom für Unternehmen und Haushalte
Ein weiterer Kostenfaktor liegt im Stromnetz. Während Wind- und Solarkapazitäten im Norden wachsen, bestehen laut den vorliegenden Angaben weiterhin Engpässe bei der Übertragung in die Industriezentren im Süden. Dadurch werden Kostenvorteile der erneuerbaren Energien geschmälert, obwohl diese bereits 56 % der Stromerzeugung liefern.
Panitsas formuliert den Zusammenhang klar:
„Ein weiterer Ausbau der erneuerbaren Energien allein wird weder niedrigere noch stabilere Strompreise sichern.“
Konstantinos Panitsas, zitiert bei LinkedIn
Im ersten Halbjahr 2025 gab Deutschland rund 1,5 Mrd. € für das Management von Netzengpässen aus. Diese Kosten tragen letztlich Unternehmen und Haushalte. Gerade deshalb erhält die Debatte über den Industriestrompreis durch die jüngsten geopolitischen Spannungen neue Brisanz.
Staatsausgaben steigen deutlich trotz nur leichter Konjunkturerholung
Die wirtschaftliche Stabilisierung in Deutschland wurde 2025 durch höhere Staatsausgaben gestützt. Insgesamt lagen die Staatsausgaben rund 7 % über dem Vorjahr. Besonders stark fiel der Anstieg bei Energie und Versorgungsinfrastruktur aus: Die Ausgaben stiegen auf rund 107 Mrd. €, nachdem sie ein Jahr zuvor bei 6 Mrd. € gelegen hatten.
Parallel dazu steht der 500-Mrd.-€-Fonds für Infrastruktur und Dekarbonisierung für den Versuch, Wachstumsperspektiven über 2026 hinaus zu stärken. Die jüngsten Preissteigerungen bei Öl und Gas zeigen jedoch, wie anfällig das System trotz hoher staatlicher Mittel bleibt. Das macht die Entwicklung für Industrie und private Verbraucher gleichermaßen relevant.
Fazit
Der Iran-Krieg legt nach den vorliegenden Angaben eine zentrale Schwäche des deutschen Wirtschaftsmodells offen: hohe Energiekosten, teure Netzstrukturen und ein Industriestrompreis, der unter Druck gerät, sobald neue externe Schocks auftreten. Zwar hatte sich 2025 zuletzt eine leichte konjunkturelle Erholung gezeigt, doch die Belastung für das verarbeitende Gewerbe und die energieintensiven Branchen bleibt erheblich. Die aktuellen Entwicklungen machen deutlich, dass staatliche Hilfen, Netzkosten und Energiepreise eng miteinander verknüpft sind.
