Deutschland hat im vergangenen Jahr so viele Erneuerbare-Anlagen zugebaut wie kein anderes europäisches Land. Trotzdem zeichnet sich bei einem zentralen Ziel der Energiewende eine Lücke ab. Nach den Plänen des Bundes sollen bis zum Jahr 2030 80 % des Stromverbrauchs mit erneuerbaren Energien erzeugt werden. Eine Studie des Energiemarktdaten-Anbieters Montel kommt jedoch zu einem deutlich niedrigeren Wert und prognostiziert für Deutschland lediglich rund 67 %.
Damit rückt eine wichtige Frage in den Mittelpunkt: Was bedeutet das für die Energiewende in Deutschland? Die vorliegenden Zahlen zeigen vor allem, dass hoher Zubau allein nicht automatisch reicht, um das selbst gesetzte Ziel bis 2030 zu erreichen. Gleichzeitig wird sichtbar, wie groß der Abstand zu einigen anderen europäischen Ländern ausfallen könnte.
Erneuerbare Energien: Deutschland bleibt 2030 laut Studie unter dem Bundesziel
Die Prognose von Montel liegt klar unter dem politischen Zielwert. Während der Bund bis 2030 einen Anteil von 80 % erneuerbarer Energien am Stromverbrauch anstrebt, erwarten die Autoren der Studie für Deutschland nur etwa 67 %. Das wäre eine deutliche Verfehlung des Ziels. Gerade weil Deutschland beim Ausbau der Anlagen zuletzt europaweit vorne lag, fällt diese Abweichung besonders ins Gewicht.
Die Analyse basiert auf Szenarioannahmen, die sich an den Standardausbauplänen der jeweiligen Länder orientieren. Sie beschreibt damit keinen Stillstand, sondern einen weiteren Anstieg des Erneuerbaren-Anteils in Deutschland. Dennoch würde dieser Zuwachs nach den vorliegenden Daten nicht ausreichen, um das 2030er-Ziel zu erfüllen.
„Die Autoren prognostizieren lediglich einen Erneuerbaren-Anteil von etwa 67 Prozent.“
Montel-Studie, zitiert bei Handelsblatt
Dänemark und Norwegen liegen beim Ökostrom deutlich vor Deutschland
Besonders stark schneiden in der Prognose zwei nordeuropäische Staaten ab. Für Dänemark erwartet Montel einen Anteil von 100,12 %, für Norwegen rund 103 %. Beide Länder würden damit im Jahr 2030 mehr Ökostrom produzieren, als sie über das Gesamtjahr hinweg selbst benötigen.
Deutschland liegt in dieser Gegenüberstellung deutlich zurück. Selbst wenn der Anteil erneuerbarer Energien hierzulande weiter steigt, dürfte der Abstand zu den skandinavischen Ländern laut den vorliegenden Angaben groß bleiben. Das unterstreicht, dass der europäische Vergleich bei der Energiewende nicht nur vom Ausbau einzelner Anlagen abhängt, sondern vom gesamten Entwicklungspfad eines Landes.
„Spitzenreiter sind zwei nordeuropäische Staaten: Für Dänemark prognostiziert Montel einen Anteil von 100,12 Prozent, für Norwegen sogar von rund 103 Prozent.“
Montel-Studie, zitiert bei Handelsblatt
Warum Deutschland beim Strom aus Erneuerbaren zurückfallen könnte
Die vorliegenden Informationen nennen mehrere Punkte, die den Unterschied erklären. Dänemark und Norwegen profitieren von zahlreichen Faktoren. Deutschland muss dagegen neben den erneuerbaren Energien voraussichtlich zunächst einige zusätzliche Technologien zubauen, um mit den nordischen Ländern gleichzuziehen.
Genau darin liegt die zentrale Aussage der Prognose: Der starke Ausbau bei Erneuerbare-Anlagen ist ein wichtiger Fortschritt, reicht aber nach den angenommenen Szenarien noch nicht aus. Für Deutschland wird damit deutlich, dass der Weg zu einem deutlich höheren Anteil erneuerbarer Energien im Stromsystem anspruchsvoll bleibt.
Fazit
Deutschland steht bei der Energiewende weiter unter hohem Druck. Der Rekord beim Ausbau erneuerbarer Anlagen zeigt Bewegung, doch die Prognose für 2030 bleibt klar hinter dem Bundesziel von 80 % zurück. Mit erwarteten rund 67 % würde Deutschland ein zentrales Vorhaben verfehlen, während Dänemark und Norwegen laut Studie bereits über 100 % erreichen könnten.
Die Zahlen machen deutlich: Der Ausbau geht voran, aber der europäische Vergleich bleibt herausfordernd. Vor allem der Abstand zu den nordeuropäischen Spitzenreitern zeigt, dass Deutschland voraussichtlich zusätzliche Technologien aufbauen muss, um beim Strom aus Erneuerbaren aufzuschließen.
