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Atomenergie: Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen

Berlin – Am 1. Januar trat das reformierte Atomgesetz in Kraft. Als nachts der Stromverbrauch sank, frischte der Wind auf und sorgte für eine reichliche Produktion von Windenergie. Da die erneuerbaren Energien Vorrang haben, musste beispielsweise das Atomkraftwerk im niedersächsischen Lingen von seiner Maximalleistung von 1.400 Megawatt auf 800 Megawatt herunter geregelt werden. Eine erste Probe für die neue Flexibilität also.

Da der Anteil regenerativer Energien am Strommix stetig wächst, wird das in Zukunft häufiger vorkommen. Die Regierung steht auch dazu. Wie RWE-Vorstand Gerd Jäger erklärt, sind die Atomkraftanlagen auf ein stärkeres rauf- und runterfahren ausgelegt. Probleme sollte es also nicht geben. Organisationen wie die Deutsche Umwelthilfe (DUH) und die Grünen befürchten jedoch, dass es auf Grund der starken Belastungen zu Ermüdungserscheinungen beim Material kommen könnte. Nun bleibt abzuwarten, ob Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) darauf drängt die Meiler nach den höchsten Sicherheitsstandards nachrüsten zu lassen, um das Restrisiko eines schweren Atomunfalls so gering wie möglich zu halten.

Die Probleme alter AKW

Neckarwestheim I wurde nur in die Laufzeitverlängerung gerettet, da EnBW ihn freiwillig längere Zeit stillgelegt hatte – eigentlich sollte er längst abgeschaltet sein. Der Meiler verfüge über eine veraltete Notstromversorgung, so die DUH. Bei einem Störfall mangelte es an ausreichenden Kapazitäten bei den Kühlmitteln und –pumpen. EnBW wiegelt ab: "Unsere Atomanlagen sind sicher." Der Druckwasserreaktor ging 1976 in Betrieb und soll es bis 2018 auch noch bleiben. Durch Röttgens eingeführten Absenkung der Sicherheitsstandards im Atomgesetz konnte er ohne eine Nachrüstung in die Laufzeitverlängerung gehen, kritisiert die atompolitische Sprecherin der Grünen, Sylvia Kotting-Uhl. Im Februar wird Röttgen dem Bundestags-Umweltausschuss dazu Rede und Antwort stehen müssen.

Auch in Sachen Grafenrheinfeld wird Röttgen sich unangenehmen Fragen stellen müssen. In dem Atommeiler soll ein Riss oder Anriss sein, von dem nicht genau bekannt ist, seit wann er existiert und ob er wächst. Das entsprechende Rohr liegt im Primarkreislauf nahe dem Reaktor und soll während einer Revision im März vorsorglich ausgetauscht werden. Der frühere Abteilungsleiter für Reaktorsicherheit im Bundesumweltministerium, Wolfgang Renneberg, kritisierte: "Ich kenne keinen der Atomaufsicht zur Kenntnis gelangten Fall, in dem eine deutsche Anlage bei einem solchen Befund weiter betrieben worden wäre."

Vorrang für Ökostrom nicht gern gesehen

Das Beratergremium des Bundesumweltministeriums, die Reaktor-Sicherheitskommission (RSK), hat kein Abschalten zur Kontrolle des Rohres empfohlen. Trotzdem hat das Ministerium nun die Gesellschaft für Reaktor- und Anlagensicherheit (GRS) beauftragt alle Atomkraftwerksbetreiber über den Anriss oder Riss zu informieren. So können diese eventuelle Überprüfungen vornehmen. "Es ist nicht sicher, ob das eine Lappalie ist", sagt Renneberg.

Die Betreiber fürchten dagegen eher einen Systemkonflikt von Atomenergie und Ökoenergie, vor allem, da schon jetzt rund 20 Prozent der Gesamtenergie aus regenerativen Quellen gewonnen werden. Wegen des Vorrangs für Naturstrom, können die Konzerne schon länger nicht mehr so viel Strom produzieren, wie eigentlich möglich. E.ON-Chef Johannes Teyssen versucht daher gerade eine Anpassung der Ökostromförderung in Gang zu bringen, um die grüne Energie auszubremsen.

geschrieben am: 25.01.2011