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Deutschlands kleinstes Stadtwerk

Hagnau – Die Entscheidung der Bundesregierung zum Thema Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke hat viele Kommunen verärgert. Der Verband kommunaler Unternehmen fühlt sich von der Bundesregierung benachteiligt und von den großen Energiekonzernen übergangen. Nicht zu letzt deshalb nehmen immer mehr Gemeinden die Versorgung mit Strom, Wasser und Gas wieder in die eigene Hand. Ein solches Beispiel ist die Stadt Hagnau am Bodensee. Hier hat Deutschlands kleinstes kommunales Versorgungsunternehmen seinen Sitz.

Touristenattraktion Bodensee

Der malerische 1400-Seelen-Ort Hagnau mit seinem historisch gewachsenen Ortskern und zahlreichen Baudenkmälern zieht jährlich viele Touristen an den Bodensee. Das Wasserwerk liegt direkt am Bodenseeufer. Hauptsamtsleiter Olaf Stelzl behauptet: „Deutschlandweit gibt es wohl kaum eine schönere Lage für ein Wasserwerk.“

Er bekleidet außerdem das Amt des Geschäftsführers der Hagnauer Gemeindewerke (HGW). Zur Führungsspitze der HGW gehört außerdem noch Hans Peter Klesel, der Hauptberuflich für das Leitungsnetz der Technischen Werke Friedrichshafen (TWF) zuständig ist.

Mit dem Ziel die Wasserleitungen zu sanieren und einen Anschluss ans Gasnetz zu bekommen, wurden 2005 die HGW gegründet. Zusammen mit dem gleichberechtigten Partner TWF investiert man gemeinsam in die Netze. Die HGW verpachtet das Netz an die TWF, die dann das volle Vertriebsrisiko trägt, erklärt Stelzl.

Die HGW unterscheiden sich durch ihr Recht, alle Abläufe mitgestalten zu können, von den Konzessionen, wie sie sonst von Gemeinden an Energieunternehmen vergeben werden. Stelzel glaubt: "Sonst hätten wir bis heute noch keine Gasleitung in Hagnau, ebenso wenig schnelles Internet." Bei der Verlegung der Gasrohre, wurden gleich noch die Kabel fürs Internet mit verlegt.

Nach Wasser und Gas nun auch Strom?

Nachdem bereits Wasser und Gas in der Hand der Stadtwerke liegen, peilt nun auch den Strom an. Im kommenden Jahr wird die Konzession, die bislang noch EnBW hält, vom Gemeinderat neu vergeben. Stelzl rechnet sich gute Chancen aus. Er glaubt daran, dass die Bürger von Hagnau hinter ihren Stadtwerken stehen. Zudem würden die Gewinne nicht in weit entfernte Konzernzentralen fließen, sondern vor Ort bleiben.

"Vor allen Dingen die Energie erzeugenden Unternehmen unter den Stadtwerken sehen sich mit dem Energiekonzept der Regierung benachteiligt", betont der Sprecher der VKU, Wolfgang Prangenberg.

Viele kommunale Energieversorger hätten mit dem Ende der Atomkraftwerke geplant. Sie wollten die Lücke schließen, die beim Wegfall des Atomstroms entstanden wäre. "Die Planungen sind vielerorts sehr weit fortgeschritten und werden durch das Energiekonzept der Bundesregierung jetzt ad absurdum geführt", kritisiert Prangenberg. Weiterhin äußert sich Prangenberger kritisch zur stagnierenden Förderung der regenerativen Energie, wie sie vor allem bei kleineren Versorgungsunternehmen eine wichtige Rolle spiele.

Der kommunale Partner der HGW sieht die Lage nicht so schwarz. Durch die Beteiligung an den Stadtwerken sichert er sich verlässliche Vertriebskanäle und ein gutes Image in der Bevölkerung. Jedoch, so sagt TWF-Geschäftsführer Alfred Müllner, sei man auch hier von der Entscheidung der Bundesregierung enttäuscht. Man habe mit anderen Rahmenbedingungen gerechnet und fürchtet nun, dass auf Grund solcher Unsicherheiten wohl niemand Investitionsentscheidungen treffen wird.

Das Vertrauen schwindet

Man könne nicht wissen, wie eine Entscheidung nach den nächsten Wahlen aussähe. Jedoch würden die Bürger das Vertrauen in die Energieriesen verlieren, wovon kleine Stadtwerke profitieren könnten, so Müllner. Diese stehen für Wertschöpfung, Nähe und Persönlichkeit.

Auch Olaf Stelzl sieht gelassen in die energiepolitische Zukunft. Das Interesse vieler anderer Gemeinden am Hagnauer Modell zeigt, dass auch andere mehr Verantwortung für die eigene Versorgung übernehmen wollen.

geschrieben am: 09.11.2010