Castor-Transport könnte scheitern

19.11.2010 | Redaktion: Patricia vom Merk
Berlin – Nach Absagen aus Hamburg und Bremen, könnte der Transport der 18 Castor-Behälter mit DDR-Atommüll ins russische Majak noch scheitern. Da der Atommüll via Schiff transportiert werden soll, müsse zunächst ein Hafen gefunden werden. Umweltschützer haben massive Proteste angekündigt.
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Castor-Transport könnte scheitern

Castor-Transport könnte scheitern

Matthias Eickhoff sagte, die Regierung solle nur nicht versuchen den Transport über eine kleinen Hafen und eine „dunkle Mole“ abzuwickeln. Weiterhin kündigte der Atomgegner vom Aktionsbündnis „Münsterland gegen Atomanlagen“ am Mittwoch in Berlin massive Proteste an.

Derzeit befinden sich die Behälter noch im Zwischenlager Ahaus. Sie sollen ins russische Majak transportiert werden, das noch stärker verstrahl sein soll, als Tschernobyl, das 1986 den GAU erlebte. Der Transport der Behälter wird immer schwieriger, da vor allem der Widerstand in den Transit-Bundesländern wächst. Die Castoren sollen noch dieses Jahr transportiert werden.

Brennmaterial stammte aus Russland


Die 951 Brennelemente in den insgesamt 18 Castor-Behältern stammen aus der DDR-Forschungseinrichtung Rossendorf und wurden 2005 ins Zwischenlager nach Ahaus transportiert. Da die Brennelemente aus der früheren Sowjetunion stammen, hatte Sachsen interveniert den Atommüll ins russische Majak zu bringen. Der Transport kostet Sachsen 35 millionen Euro. Allerdings könnte die Bundesregierung diesen unterbinden. In Gesprächen ist ein deutliches Unbehagen zu spüren.

Das Bundesamt für Ausfuhr und Wirtschaftskontrolle (Bafa) wäre für die Ausfuhr der Castor-Behälter zuständig, die Erlaubnis müsste vom Bundesumweltministerium (BMU) erteilt werden. Hier betont man allerdings, dass weder über den Transport noch über die Genehmigung entschieden wurde. Zunächst müsse die Sicherheit des Zielortes unter die Lupe genommen werden. Eine Sprecherin sagte: "Dabei wird sich das BMU auch von den örtlichen Verhältnissen ein Bild machen werden."

Der Transport per Zug ist zu riskant, da einige der Brennelemente älter als 50 Jahre sind. Somit ist ein Transport mit Lastwagen zu einem deutschen Hafen wohl wahrscheinlicher. Bremen und Hamburg erteilten eine Absage, auch Nordrhein-Westfalen sperrt sich gegen einen Transport aus Ahaus. Übrig bleiben also nur noch Wilhelmshaven (Niedersachsen), Kiel (Schleswig-Holstein) oder Rostock (Mecklenburg-Vorpommern).

Da weder Bremen noch Hamburg im Beratungsverfahren Einwände geäußert hatten, ist die Bundesregierung über den plötzlichen Widerstand verwundert. Die Absage wurde erst nach der öffentlichen Bekanntmachung erteilt.

Schlechtes Timing für Schwarz-Gelb


Die Debatte kommt für die Regierung zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt. Durch die Laufzeitverlängerung der deutschen Atommeiler und den kürzlichen Castor-Transport nach Gorleben sind die Gemüter bereits erhitzt. Daher betont diese zunächst den Zielort Majak untersuchen zu wollen.

Grundlage für den Transport ist der zwischen den USA, Russland und der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) geschlossene Vertrag über die Rückholung von Brennelementen aus Forschungsreaktoren, die einst von der Sowjetunion bestückt worden sind. Das Bundesamt für Ausfuhr und Wirtschaftskontrolle ist für die Ausfuhr zuständig.

Es mache sehr wohl einen Unterschied ob noch mehr Atommüll ins hochgradig verseuchte Majak transportiert werde, sagte der russische Umweltschützer Wladimir Sliwjak. Russland ist nicht Ihre Atommüllkippe", appellierte Sliwjak am Mittwoch an die Adresse von Sachsen, aber auch an Kanzlerin Angela Merkel und Umweltminister Norbert Röttgen (beide CDU).

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